Asthma-Medikamente helfen COPD-Patienten
COPD-Patienten können teilweise von denselben Wirkstoffen profitieren, wie sie für Behandlung von Asthma entwickelt wurden. Auch das Atemtraining läuft für alle Patienten, die Probleme haben, genug Luft zu bekommen, ähnlich ab. Dennoch sind die Therapien nicht beliebig austauschbar, denn COPD ist eine ganz andere Krankheit als Asthma und bedarf einer unterschiedlichen Behandlung. Im Überblick
Beta-2-Sympathomimetika erweitern die Bronchien
Medikamente dieser Gruppe binden an bestimmte Rezeptoren auf der Zelloberfläche, den Beta-2-Rezeptoren, daher auch der Name. Dadurch wird innerhalb der Zelle eine Kaskade von Mechanismen ausgelöst, die letztlich dazu führt, dass die Muskeln der großen zentralen sowie der kleineren äußeren Bronchien erschlaffen (Bronchodilatation). Über weitere Mechanismen wirken die Medikamente zusätzlich auch gegen Entzündungen. Da Beta-2-Sympathomimetika auch die entsprechenden Rezeptoren im ganzen Körper aktivieren, können als Nebenwirkungen ein Zittern der Hände, ein schneller Herzschlag, veränderte Blutwerte und allgemeinen Unruhe auftreten.
Beta-2-Sympathomimetika gibt es zum Einatmen und zum Schlucken. Die kurz wirksamen Mittel – hierzu gehören Salbutamol, Fenoterol und Terbutalin – entfalten ihre volle Wirkung nach 15 bis 30 Minuten und klingen nach vier bis fünf Stunden komplett ab, sodass sie mehrfach täglich angewendet werden müssen. Die lang wirksamen Substanzen müssen nur zweimal täglich inhaliert werden. Hierzu gehören die Substanzen Salmeterol, Formoterol und Tiotropium. Sie werden zur Dauerbehandlung von Patienten ab einer mittelschweren COPD empfohlen. Als systemische Beta-2-Sympathomimetika stehen Clenbuterol, Bambuterol und Reproterol zur Verfügung, wobei Reproterol auch inhalativ oder als Injektion in die Vene verabreicht werden kann.
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Anticholinergika entspannen die Bronchialmuskulatur
Eine entkrampfende Wirkung auf die Bronchien haben auch Anticholinergika. Der Spannungszustand der Bronchialmuskulatur wird durch einen bestimmten Nerv, den Nervus vagus, gesteuert. Dieser wirkt durch sogenannte cholinerge Nervenfasern auf die Bronchialwand. Hemmt man den Botenstoff Acetylcholin, der das Zusammenziehen der Muskeln vermittelt, mit Anticholinergika, kommt es zu einer Entspannung der Bronchien. Dies genau ist bei der Behandlung der COPD erwünscht, damit die Atemnot möglichst schnell vergeht. Außer gelegentlicher Mundtrockenheit wird keine relevante Nebenwirkung beobachtet. Die Anticholinergika entspannen die Bronchien in etwa ähnlich stark wie die
Beta-2-Sympathomimetika.
Zur COPD-Therapie werden die Substanzen Ipratropiumbromid, Oxitropiumbromid und seit kürzerem auch Tiotropiumbromid eingesetzt:
Ipratropiumbromid muss mehrmals täglich angewendet werden, da nach drei bis vier Stunden schon die Hälfte des Stoffes ausgeschieden ist (biologische Halbwertszeit). – Das Medikament kann entweder als Dosieraerosol, als Pulverinhalator oder als wässrige Lösung angewendet werden.
Die Halbwertszeit von
Oxitropiumbromid liegt bei etwa neun Stunden. Deshalb sollte auch dieses Medikament mehrfach täglich angewendet werden. Eine wesentlich längere Halbwertszeit hat das neuere
Tiotropiumbromid. Die Halbwertszeit bei diesem Medikament liegt bei 15 Stunden, somit muss es nur einmal täglich angewendet werden. Auch kann durch die lang anhaltende Wirkung obstruktiven Symptomen besser vorgebeugt werden.
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Theophyllin stärkt die Atmung
Theophyllin ist dem Koffein ähnlich und kommt in geringer Menge in Teeblättern vor. Dieser Wirkstoff entspannt die Bronchialmuskulatur und erweitert die Bronchien, hat aber noch andere Effekte auf die Atemwege, die man sich bei der Behandlung der COPD zunutze macht: Medikamente mit Theophyllin erhöhen die Kraft beim Einatmen und die körperliche Leistungsfähigkeit. Allerdings zeigen sie auch einige unerwünschte Wirkungen wie Kopfschmerzen, Unruhe und Schlaflosigkeit. Auch Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können eintreten.
Bei der COPD kann es sinnvoll sein, Theophyllin mit einem Beta-2-Sympathomimetikum zu kombinieren, da zwar beide die Bronchien erweitern, aber an verschiedenen Punkten angreifen. Insbesondere bei älteren, multimorbiden Patienten kann z.B. die Einnahme in Form von Tabletten (und nicht wie andere Medikamente als Spray) vorteilhaft sein und dazu beitragen, die Lebensqualität zu steigern. Auch gibt es sogenannte retardierte Formen, die vom Körper verzögert aufgenommen und dadurch nur zweimal täglich genommen werden müssen.
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Kortison lindert schwere COPD
Anders als beim Asthma ist Kortison zum Inhalieren bei COPD erst in den letzten Jahren systematisch untersucht worden. Dabei hat sich gezeigt, dass schwer Betroffene von inhalativen Kortikosteroiden eher zu profitieren scheinen als weniger stark Betroffene. Als Wirkstoffe stehen Beclometason, Budesonid, Fluticason und Triamcinolon zur Verfügung. Ausdrücklich für die COPD zugelassen sind Beclometason, Budesonid und Fluticason. Unerwünschte Wirkungen können Heiserkeit und ein Pilzbefall mit Candida der Mund- und Rachenschleimhaut sein.
Patienten mit einer schweren COPD, die mehr als zwei plötzliche Verschlechterungen (akute Exazerbationen) im Jahr haben, bekommen Kortison zum Einatmen. Dadurch soll erreicht werden, dass es seltener zu Verschlechterungen kommt und der Gesundheitszustand sich stabilisiert. Wegen möglicher Nebenwirkungen wird der Arzt regelmäßig prüfen, ob eine weitere Gabe unbedingt notwendig ist.
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Hilfe bei akuter Exazerbation
Wenn sich COPD plötzlich verschlechtert, also quasi ein Krankheitsschub erfolgt, sprechen Mediziner von akuter Exazerbation. Als erste Maßnahme werden die Dosierung und die Häufigkeit der Inhalationen der Medikamente, die die Bronchien erweitern, erhöht. Auch kann zusätzlich ein bislang nicht genutztes Präparat verwendet werden. Betroffene mit ausgeprägten Beschwerden und/oder einer schlechten Ausgangslungenfunktion erhalten zudem systemisch Glukokortikoide.
Antibiotika ergänzen die COPD-Therapie bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion. Charakteristisch für Bakterien als Erreger ist, dass normalerweise die abgehustete Schleimmenge und der Eiteranteil zunehmen. Allerdings liegt bei ca. 50 Prozent ein viraler Infekt zugrunde.
Sofern der akut Erkrankte bettlägerig ist und zudem vielleicht nicht ausreichend getrunken hat, besteht eine erhöhte Gefahr, dass er eine Beinvenenthrombose entwickelt. Wichtig ist also eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und vorsorglich sollte auch als Gerinnungshemmung Heparin unter die Haut gegeben werden.
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Extraportion Sauerstoff erleichtert das Atmen
Besonders für Patienten mit fortgeschrittener COPD hat die Therapie mit Sauerstoff einen wichtigen Stellenwert. Durch sie wird nicht nur das Symptom Atemnot gelindert, sondern insgesamt die Herz-Lungen-Funktion verbessert. Man unterscheidet dabei zwischen einer kurzfristigen Sauerstoffgabe in Akutsituationen und der Sauerstoff-Langzeittherapie für Betroffene in fortgeschrittenen Krankheitsstadien.
Bei der COPD-Akuttherapie richtet sich die Sauerstoffmenge nach den gemessenen Blutgasen.
Der COPD-Patient erhält den Sauerstoff über eine Nasen- oder Nasen-Rachen-Sonde, allerdings gelangt hierbei nur ein Teil des Sauerstoffes an den Ort seiner Wirkung. Besser ist die Sauerstoffgabe über Mund- bzw. Mund-Nasen-Masken, sie sind besser abgedichtet und erlauben einen höheren Sauerstofffluss. Als Nebenwirkung einer solchen Sauerstofftherapie muss berücksichtigt werden, dass Kohlendioxid zurückgehalten wird, welches dann letztlich zu einer verminderten Atmung führt.
Die Langzeittherapie mit Sauerstoff verbessert bei Betroffenen mit fortgeschrittener COPD den Blutfluss in der Lunge. Sie führt zu einer höheren körperlichen Belastbarkeit, bessert Allgemeinbefinden und steigert die Überlebenszeit.
Die häusliche Sauerstoff-Therapie kann auf verschiedenen Art und Weise durchgeführt werden: mit einer konventionellen (Stahl-)Gasflasche, einem Sauerstoffkonzentrator oder einem Flüssigsauerstoffsystem. Dabei ist der Sauerstoffkonzentrator lediglich auf die Stromzufuhr angewiesen und kann somit gut bei immobilen Betroffenen ohne weitere Maßnahmen eingesetzt werden. Braucht jemand einen größeren Aktionsradius, so ist das Flüssigsauerstoffsystem gut einsetzbar. Bei diesem ist zusätzlich zu einem größeren Behälter für die häusliche Versorgung ein kleinerer Behälter für den mobilen Einsatz verfügbar.
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Mit COPD in die Atemschule
Die Atemtherapie soll Patienten mit COPD das Atmen und Husten erleichtern. Dabei wird zum einen die Atemarbeit effektiver, zum anderen trägt die Atemtherapie dazu bei, dass sich Sekret in den Bronchien besser löst. In der Klinik ist die Atemtherapie Teil der Krankengymnastik. Aber es gibt auch Übungen und Regeln für zu Hause.
Mit speziellen Atemtechniken können COPD-Patienten selbst dafür sorgen, dass ihnen nicht so schnell die Luft wegbleibt. Bei der
Lippenbremse wird langsam und dosiert mit spitzen Lippen – als wollten Sie pfeifen – ausgeatmet. Dadurch wird der Druck in der Lunge stabil gehalten und verhindert, dass die Bronchien nach dem Ausatmen zusammenfallen, was das erneute Einatmen erschweren würde. Setzt der Betroffene die Lippenbremse bei körperlicher Belastung ein, so kann er dadurch seine Leistungsfähigkeit erhöhen.
Bei der
Zwerchfellatmung wird die Funktion des Zwerchfells durch Anspannen der Bauchmuskeln unterstützt: Beim Einatmen werden die Bauchmuskeln entspannt, beim Ausatmen angespannt. Ob Sie die Bauchmuskeln zum richtigen Zeitpunkt an- oder entspannen, können Sie mit einer Hand auf dem Bauch selbst überprüfen.
Durch spezielle Körperhaltungen ist es möglich, die Atemhilfsmuskulatur effektiver zu nutzen und so die Atemanstrengung zu mindern. Hierzu zählen der
Kutschersitz, bei dem der Betroffene mit gespreizten Knien auf der Vorderkante eines Stuhles sitzt und die leicht gebeugten Arme mit den Ellenbogen auf den Knien aufstützt. Bei der Geländer-Stütze stützt er sich mit leicht vorgebeugtem Oberkörper und gestreckten Armen sowie geradem Rücken auf einem Geländer auf. Auch hinter dem Kopf verschränkte Arme können im Sitzen für das Atmen eine gute Erleichterung schaffen.
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Auch Husten will gelernt sein
Wer Husten muss, sollte dabei auf die richtige Technik achten, die die Patienten meist während der Krankengymnastik erlernen. Um unproduktiven Reizhusten zu vermeiden ist es wichtig, dass der Betroffene eine atemerleichternde Stellung einnimmt, durch Speichelschlucken oder ein warmes Getränk den Reiz überwinden kann. Dazu kann auch manches Mal ein kurzes Luftanhalten sinnvoll sein. Unterstützend sollten Betroffene durch die Nase ein- und mit dosierter Lippenbremse wieder ausatmen. Oberflächliches Einatmen abwechselnd mit kurzem Luftanhalten kann ebenfalls hilfreich sein.
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Klopfmassage für die Lunge
Früher wurden diese Methoden zur Schleimlösung häufiger angewendet, inzwischen ist die Effektivität umstritten. Aber manche COPD-Patienten empfinden das Abklopfen oder die Schüttelmassage mit einem vibrierenden Gerät, das über den Rücken geführt wird, als sehr angenehm. Effektiver ist da die Therapie mit Hilfsmitteln, etwa einer PEP-Maske. Diese Maske sorgt durch Ausatmungs-Widerstände dafür, dass auch nach dem Ausatmen noch ein erhöhter Druck (PEP steht für positive expiratory pressure) in der Lunge herrscht. Das hat zur Folge, dass die Luft zum Teil bis in die Lungenbläschen – also hinter das Sekret in den Bronchien – strömen kann und so das Abhusten ermöglicht. Verbessert werden kann der Effekt, wenn die Maskenatmung mit der Inhalation von schleimlösenden Wirkstoffen kombiniert wird.
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